Sonne & Haut: gefährliche Liebschaften

Braun gebrannte Haut so weit das Auge reicht! Kaum zeigt sich die Sonne, sieht man nur noch Hotpants aus denen Beine ragen, deren Besitzerinnen sich – während wir anderen Winterschlaf hielten – für den Tag des ersten Sonnenscheins präpariert haben. Zum Thema Sonne hat jeder seine eigene Philosophie. Sind die einen richtige Sonnenanbeter, meiden andere sie ängstlich. Obwohl ihr Ruf seit Jahren ruiniert ist, hat unsere Sonne auch heilende Wirkung. UV-B-Strahlen lösen im Körper die Bildung von Vitamin D aus – gut für unsere Knochen, Muskeln und die Immunabwehr. UV-A-Strahlen sorgen für die Senkung des Blutdrucks. Und dass wir uns bei Sonnenschein insgesamt besser fühlen, liegt am drogenähnlichen Stoff Beta-Endorphin, der uns in einen euphorieähnlichen Zustand versetzt. Aber wie viel Sonne ist gut für uns? Und was können wir tun, wenn wir auf Sonnenstrahlen sensibel reagieren? Wir fragen bei Dermatologin Dr. med. Gudrun Besing aus München genauer nach.

Frau Dr. Besing, was ist Ihre Empfehlung für den richtigen Umgang mit der Sonne? Knackige Bräune oder noble Blässe?

Einerseits brauchen wir das Sonnenlicht für unsere Psyche und die Vitamin-D-Bildung für unser Immunsystem und unsere Knochen. Zu viel Sonne kann aber auch schaden. Neben direkten Schäden wie Sonnenbrand und Kreislaufproblemen altert unsere Haut, abhängig von der Gesamtdosis der UV-Belastung, viel schneller. Ich empfehle: Sonne ja, aber in Maßen! Ein guter Lichtschutz, geeignete Textilien, die Vermeidung des Aufenthalts im Freien in der Mittagszeit und insbesondere der intensive Schutz von Kindern sind Regeln, an die sich jeder halten sollte.

So sehr wir die Sonne lieben, so sehr kann sie unsere Haut schädigen. Was ist der Unterschied zwischen UV-A- und UV-B-Strahlung und worauf muss ich bei einer guten Sonnencreme achten?

UV-B-Strahlen sind für den akuten Sonnenbrand und die rasche Pigmentierung verantwortlich, während UV-A-Strahlen auch Glasscheiben passieren und langfristige Schäden wie Hautalterung bewirken. Wissenschaftlich überprüfte Lichtschutzmittel verfügen selbstverständlich über einen Schutz in beiden Bereichen. Wichtig ist ein Blick auf die Produktbeschreibung, oder Sie greifen zu medizinisch geprüften Produkten.

Vorbräunen im Solarium bereitet die Haut auf die Sonne vor – Mythos oder Wahrheit?

Das Gerücht, Solariumbräune würde die Haut auf die Sonne vorbereiten, hält sich leider hartnäckig. Tatsache ist, dass die Haut im Solarium anders pigmentiert als in der Sonne. Sie entwickelt keinen Schutz, allenfalls wird der Hautalterung Vorschub geleistet. Den richtigen Umgang mit Sonne können wir uns von den Einheimischen in südlicheren Ländern abschauen. Mit ihrer Siesta machen sie es uns vor: Vermeidung der Mittagssonne zwischen 11 und 16 Uhr und ein entspannter Aufenthalt im Schatten. So gewöhnt sich die Haut langsam an die Sonne.

Gibt es Medikamente die empfindliche Haut widerstandsfähiger gegen Sonne machen?

Noch vor einigen Jahren wurde die Einnahme von Carotin-Kapseln zur Vorbeugung empfohlen. Aufgrund des Hinweises, dass dies das Karzinomwachstum fördert, wird davon neuerdings abgeraten. Die Einnahme von Calciumpräparaten ist ebenso nicht geeignet, eine Allergie zu vermeiden oder gar therapeutisch zu beeinflussen. Unterstützend für Haut, Haare und Nägel als schnell reproduzierbares Gewebe ist die Einnahme von Zink, da viele Stoffwechselvorgänge im Körper Zink als Coenzym benötigen.

Wird man auch im Schatten braun?

Selbstverständlich! Nur etwas langsamer und schonender für den Körper. UV-A- und UV-B-Strahlen werden durch Wolken und Schwebstoffe in der Luft gebrochen oder vom Wasser reflektiert. Die sogenannte Globalstrahlung trifft nicht nur senkrecht auf die Erde, sondern strahlt auch horizontal, also parallel zur Erdoberfläche. Unter einem Baum oder Sonnenschirm reicht das immer noch aus, um braun zu werden – oder sich je nach örtlicher Gegebenheit einen Sonnenbrand zu holen.

Ist der Sonnenbrand da, folgt das schlechte Gewissen. Wie kann ich der Haut bei der Regeneration helfen?

Eine rückfettende Pflege nach dem Sonnenbad, vor allem wenn man zu trockener Haut neigt, ist auf alle Fälle sinnvoll. Bei Sonnenbrand hilft eine milde kortisonhaltige Lotion am schnellsten und verhindert das „ Nachbrennen“ der Haut. Das heißt, die Reparaturenzyme in den Zellkernen können die Haut schneller reparieren.

Im schlimmsten Fall reagiert die Haut auf intensive Sonne mit Juckreiz, Pusteln & Co. Ist Sonnenallergie eine echte Allergie? Was kann ich dagegen tun?

Vieles spricht tatsächlich für eine allergische Reaktion, wie das zeitverzögerte Auftreten nach dem Sonnenbad. Die Ausprägung kann sehr variieren. Zugrunde liegt eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber UV-A-Strahlen. In manchen Fällen besteht nur eine Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Inhaltsstoffen in Sonnenschutzmitteln, sodass bereits der Wechsel auf eine hochwertige, medizinisch überprüfte Sonnencreme empfehlenswert sein kann.

Entzückende Sommersprossen – was andere niedlich finden, empfinden Betroffene häufig als Schönheitsmakel. Sind Sommersprossen auch ein Zeichen für sonnenintolerante Haut?

Sommersprossen finden sich häufig bei dem sehr hellen Hauttyp 1. Diese Haut ist extrem empfindlich und verfügt bei UV-Einwirkung über nur sehr geringen Eigenschutz, sodass die Meidung von Sonne und ein intensiver Schutz der Haut unabdingbar sind, um in späteren Jahren nicht an Hautkrebs zu erkranken. Die gute Nachricht: Sommersprossen werden aktuell in der Modebranche durchaus geschätzt und helle Haut liegt derzeit eher im Trend.

Pigmentstörungen werden ebenfalls durch Sonne ausgelöst. Gibt es eine effektive Möglichkeit sich zu schützen?

Wer zu Pigmentstörungen neigt, sollte sich den konsequenten Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50+ aneignen. Leider täuschen bewölkte Tage vor, dass man ihn weglassen kann. Zusätzlich empfehle ich bei einem Aufenthalt im Freien auf Parfum und bestimmte Kosmetik zu verzichten, da unschöne Hyperpigmentierungen durch bestimmte Inhaltsstoffe (Bergamotte-, Lavendel-, Sandelholz-, Zedernholzöl) ausgelöst werden können. Insbesondere dunkelhaarige Frauen neigen zu Hyperpigmentierungen und sollten insbesondere nach Laserbehandlungen oder kleinen Hautverletzungen auf adäquaten Sonnenschutz achten.

Lassen sich Zellen, die übermäßig Melanin produzieren, wieder stoppen?

Leider nicht, außer durch die Vermeidung erneuter Sonnenexposition. Zwar stehen in dermatologischen Rezepturen, Zusätzen in Kosmetika oder Peelings eine Vielzahl an Hilfsmitteln zur Hautaufhellung zur Verfügung. Meist ist aber nur eine langsame und moderate Aufhellung realistisch.

Gekommen, um zu bleiben? Gibt es Möglichkeiten, Sommersprossen oder Pigmentstörungen endgültig loszuwerden?

Eine sehr effiziente Möglichkeit bei Altersflecken ist die Behandlung mit dem Rubin-Laser in Gesicht sowie auf Dekolleté und Handrücken. Eine einmalige Behandlung lässt die Haut oft um mehrere Jahre jünger wirken. Östrogenbedingte Pigmentflecken, insbesondere nach einer Schwangerschaft, können für die Betroffenen sehr belastend sein. Hier helfen eventuell die Umstellung der Pille oder dermatologische Behandlungen mit Laser, Peelings oder einem Microneedling.

In Asien gibt es einen regelrechten Hype um blasse Haut. Schönheitsbewusste Frauen verwenden aufhellende Pflegeprodukte und gehen bei Sonne nur mit Schirm aus dem Haus. Glauben Sie, das wird die Zukunft sein?

Verhalten wird oft weniger durch die Vernunft als von gesellschaftlichen Trends gesteuert. Manchmal dauert es bis wissenschaftliche Erkenntnisse in der breiten Öffentlichkeit ankommen. Die europäische Oberschicht hat im 19. Jahrhundert bewusst auf Sonnenschutz geachtet, um sich mit makelloser weißer Haut von der Mehrheitsbevölkerung abzusetzen. In den 70er-Jahren war das anders: Freizeit, Skifahren und Strand verkörperten Erfolg und gesellschaftlichen Aufstieg. Heute weiß man mehr und verfügt über molekularbiologische Erkenntnisse. Warum sollten wir nicht vom Verhalten der Asiaten lernen? Auch Schönheitsideale sind einem stetigen Wandel unterzogen.

 

Dr. Gudrun Besing. Hautärztin aus Gauting bei München.Dr. med. Gudrun Besing hat eine eigene Hautarztpraxis in Gauting bei München. Von der Hautkrebstherapie bis zur Schweißdrüsenbehandlung bietet sie ein umfassendes Leistungsspektrum an und betreibt außerdem DermaCult, ein Institut für ästhetische Medizin.

 

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