Raus aus der Nische: Pflege für vergessene Körperstellen

Es gibt Nischenmarken, Nischenprodukte, Nischenberufe. Und für mich gibt es auch Nischenkörperstellen. Was ich damit meine? Was Hautpflege angeht, kann man uns Frauen nichts vormachen: wir peelen, bürsten und cremen. Bereits als Teenie beginnen wir, uns mit unserem Körper zu beschäftigen und ihn zu pflegen. Und das bis ins hohe Alter. Allerdings gibt es Körperteile, die bei der Pflege häufig in die Nische der Vergessenheit geraten. Wobei – vielleicht vergessen wir sie nicht, sondern wissen diesen Nischenkörperteilen einfach nicht zu helfen. Genauso wie wir möglicherweise nicht wissen, wie oft man bestimmte Pflegeprodukte verwenden sollte. Ich finde, da muss etwas getan werden. Also raus aus der Nische und rein in ein neues, ganzheitliches Pflegeritual!

Doch welche Körperstellen werden zu oft vergessen? Und wann sollte man Peeling, Serum oder Hals- und Dekolleté-Pflege verwenden? Die Münchner Dermatologin Dr. med. Marion Moers-Carpi hat die passenden Antworten auf unsere Fragen:

Frau Moers-Carpi, der Hals lügt ja bekanntlich nie. Mit welchen Produkten und wie oft pflegt man ihn am besten, um Hautalterung vorzubeugen?

Halspflege ist wichtig, denn sie wird in der Tat sehr häufig vergessen. Schon meine Oma hat mir immer gesagt: „Creme dir auch den Hals ein!“ Denn ein schönes, faltenfreies Gesicht sollte nicht auf einem schrumpeligen Hals sitzen. Er ist, wie Gesicht und Dekolleté, immer im Freien und nicht vor UV-Licht geschützt. Deshalb ist eine Creme mit Sonnenschutz das A und O. Denn das UVA des Sonnenlichtes zerstört das Kollagen in unserer Haut. Da sind Falten vorprogrammiert. Für Halspflege-Anfänger reicht die Gesichtscreme mit Sonnenschutz, bis die richtige Halspflege gefunden wird, die auf die eigene Haut abgestimmt ist.

Aber: Pflege fängt schon beim Waschen an! Den Hals abends zu reinigen ist die perfekte Basis für jede weitere Pflege. Auch dort setzen sich tagsüber Schmutz- oder Staubpartikel ab. Studien zeigen, dass Haut schneller altert, wenn sie nicht täglich von Schmutz befreit wird. Somit ist die tägliche Hautreinigung und Pflege die beste Prophylaxe gegen Hautalterung. Nach der Reinigung können die Pflegeprodukte außerdem besser in die Haut eindringen. An die Halspflege zu denken ist ganz einfach: Jedes Mal wenn man das Gesicht wäscht, reinigt und pflegt, das gleiche auch für den Hals tun! Und wer sich noch zusätzlich etwas Gutes tun möchte, achtet zudem auf die Inhaltsstoffe der Pflege. Besonders gut für die Hautbefeuchtung und zur Falten-Vorbeugung sind Cremes mit Hyaluronsäure.

Und wie pflegt man das Dekolleté richtig?

Bei der Dekolleté-Pflege verhält es sich wie beim Hals: Man muss sich auf die Suche nach dem geeigneten Produkt machen. Eine Bodylotion zu benutzen ist für den Anfang schon gut. Wer allerdings im Dirndl auf das Oktoberfest gehen und ein schönes Dekolleté präsentieren möchte, der sollte zusätzlich zu der Bodylotion Sonnencreme auftragen, bevor eventuell Make-up verwendet wird. Denn gerade das Dekolleté ist der Sonne stark ausgesetzt. Wer oft einen weiten Ausschnitt trägt, darf abends nicht vergessen, dass sich auch hier Schmutzpartikel absetzen. Reinigen Sie also auch das Dekolleté. Hier eignet sich ebenfalls eine hyaluronsäurehaltige Pflege sehr gut, damit der Vorbau lange prall und glatt bleibt. Um kleine Pickelchen beziehungsweise unruhige Haut am Dekolleté zu entfernen, kann zwei bis dreimal in der Woche ein reinigendes Peeling gemacht werden.

Eine Augencreme ist das unersetzlichste Pflegeprodukt für das Gesicht – und zwar täglich. Denn wer einen anderen Menschen ansieht, achtet als erstes auf die Augen und den Mund. Und da die Augenlidhaut die dünnste unseres Körpers ist, sind hier Fältchen – durch Trockenheit oder Witterungseinflüsse – sehr schnell sichtbar. Da kann eine gute Pflege vorbeugen! Und auch hier ist der Sonnenschutz in der Creme essentiell. Aufpassen sollte man, dass die Creme keinen „Kriecheffekt“ hat. Sprich: nicht in das Auge hineinkriecht, wenn man zu viel aufträgt. Der geeignete PH-Wert ist der ausschlaggebende Faktor einer Creme, denn für die Augenhaut sollte sie auf keinen Fall sauer sein. Der PH-Wert unserer Haut liegt bei 7,4, sie ist also eher basisch. Die meisten Gesichtscremes bewegen sich in einem Bereich von 5 bis 6. Aber am Auge sollte die Creme einen PH-Wert von 10 haben, also basisch sein. Was speziell für die Augen ab und zu toll ist, ist eine Augenmaske. Gerade im Winter, wenn die Haut von der Kälte angegriffen wird, darf man sich abends auch mal etwas gönnen. Legen Sie sich auf die Couch, schließen Sie die Augen, machen Sie Ihre Lieblingsmusik an und legen ein pflegendes Augen-Pad auf.

Was hat es mit Nachtpflege auf sich?

Bei der Gesichtspflege sollte man kontinuierlich bei seiner Routine bleiben. Abends, beim Reinigen und Abschminken des Gesichts, bietet es sich an, die Haut danach zu pflegen. Denn auch nachts braucht sieFeuchtigkeit. Während wir schlafen hat sie die Chance sich zu regenerieren, da sie weder von UV-Licht, noch Make-up geschädigt wird. Nachtpflege, gerne auch reichhaltige, unterstützt sie dabei. Hyaluronsäure zum Beispiel ist feuchtigkeitsspendend und zieht Wasser ins Gewebe. Dadurch wird die Haut ein wenig aufgeplustert und wirkt straffer und voller.

Was bewirken Seren oder Ampullen und wieso sollte man diese zusätzlich zur normalen Tagespflege benutzen?

Wichtig zu wissen ist, dass man ein Serum nie ohne eine weitere Pflege benutzt. Morgens wie abends. Erst wird das Gesicht gereinigt, dann das Serum aufgetragen und im Anschluss eine adäquate Tages- oder Nachtpflege benutzt. Der Unterschied zwischen einem Serum und einer Ampulle liegt in der Konzentration und der Anwendungshäufigkeit. Seren sind zum täglichen Gebrauch konzipiert, aber immer unter einer weiteren Creme. Ampullen beinhalten meistens nur 1 ml und sind zur besonderen Pflege entwickelt. Zum Beispiel, um sich am Wochenende als Schönheitsritual etwas Gutes zu tun. Ampullen sollten innerhalb von 24 Stunden aufgebraucht werden. Sparen ist hier nicht angesagt, denn die Wirkstoffe können nach dem Öffnen schlecht werden. Bei Ampullen ist für jeden Geschmack etwas dabei: Granatapfel, Hyaluronsäure, Vitamin E oder C. Es gibt sogar Ampullen mit Peeling-Effekt.

Ist ein Peeling gut für die Haut und wenn ja, warum?

Ein Peeling ist sogar gut für die Haut, um sie von Schmutz und alten Hornschüppchen zu befreien. Nach einer Behandlung ist die Haut glatt und die Wirkstoffe von Creme, Serum oder Maske können gut einwirken. Man sollte allerdings aufpassen, dass die Haut mit Peelings nicht überstrapaziert wird. Das kann so weit gehen, dass man kleine Risse bekommt und sie damit eher schädigt. Öfter als zwei- maximal dreimal in der Woche, empfehle ich ein Peeling deshalb nicht.

Und wie oft sollte man eine Gesichtsmaske auftragen?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab: von der Jahreszeit, vom Alter und vom Hauttyp. Wer zu trockener Haut neigt, sollte zwei bis dreimal in der Woche eine hydratisierende Gesichtsmaske machen. Öligen Hauttypen empfehle ich eine Maske mit Tonerde. Wichtig ist, dass Menschen mit unruhiger Haut, keine pickelfördernden Produkte benutzen. Eher Substanzen, die austrocknen, vielleicht Zink oder Kräuter. Wenn man zu trockener Haut neigt, eignen sich Urea oder Aloe Vera, denn sie bringen die Feuchtigkeit zurück. Vitamin C und D sind super Anti-Aging-Inhaltsstoffe. Damit die Maske besonders gut wirkt, darf man vorher ein Peeling machen. So nimmt man die Schmutzpartikel und alte Hornschüppchen ab und die Maske kann viel besser in die Haut eindringen.

Die Expertin:

Dr. med. Marion Moers-Carpi hat seit 2004 ihre eigene Hautarztpraxis im Herzen Münchens. Mit hautok – einem Leistungsspektrum in der klassischen, ästhetischen und kosmetischen Dermatologie, bietet die Hautärztin ihren Patienten einen umfangreichen Service.

Weitere Infos unter hautok.de.

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