Verzierter Parfumflakon mit Oud-Öl und Holz
 

Oud kommt gut!

Sie haben die schönsten Märchen, die prachtvollste Architektur – und einen der wertvollsten Stoffe der Welt: Oud. Die Rede ist natürlich vom Orient, aber vor allem von Oud, dem Harz des Adlerholzbaums.

Ein Stück Harz. Das klingt nicht spektakulär. Oud ist jedoch für die Sinne wie Kaschmir zur Haut und in der Haute Parfumerie die Essenz, nach der sich alle die Finger lecken. Für die einen riecht es balsamisch-süß, für die anderen warm und holzig, andere empfinden es als animalisch und muffig. Kostbar ist das ätherische Öl, weil es selten ist, bekannt wegen Yves Saint Laurent.

Sex sells!?

2002 lanciert Yves Saint Laurent unter der Regie von Tom Ford den Herrenduft M7, einer der ersten Düfte in Europa mit dem kostbaren Baumharz als Inhaltsstoff. Für Furore sorgt allerdings weniger der Duft, sondern Laurents nacktes männliches Model Samuel de Cubber. Beim Anblick seines Penis vergessen alle, was die eigentliche Sensation des Duftes ist. Trotzdem ist Laurent seiner Zeit mit dieser Komposition voraus. In Europa unbekannt, schätzt man Oud im arabischen Raum schon seit mehr als 2000 Jahren. Das Holz des Adlerbaumes wird dort als Räucherholz verwendet. Um die Haut zu parfümieren, stellen sich die Frauen nackt in den aufsteigenden Rauch oder fächeln ihn mit Federn Richtung Körper. Ein sinnliches Ritual – kein Wunder, dass Oud eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird.

Der teuerste Parfum-Rohstoff der Welt

Vor allem, wenn man bedenkt, wie edel dieser Rohstoff ist. Zu finden ist der Adlerholzbaum in Südostasien. Wird der Baum verletzt, verschließt er mit dem duftenden Harz seine Wunden. Der Duft verstärkt sich, wenn der Baum von Schimmelpilz befallen ist. Je stärker der Befall, desto intensiver der Oud-Geruch. Leider lässt sich von außen nicht erkennen, ob der Baum das kostbare Harz im Inneren trägt. Viele Bäume werden deshalb umsonst gefällt oder absichtlich verletzt, um die Produktion des Harzes zu forcieren. Weil der Bestand an Adlerholzbäumen abnimmt, wird Oud in seiner besten Qualität höher gehandelt als Gold – und weil das ätherische Öl zu komplex in seinem Aufbau ist, als dass man den Duft einfach synthetisch nachbilden könnte. 50.000 € pro Kilogramm sprechen eine deutliche Sprache, aber eine Alternative gibt es nicht.

Luxus in einem Flakon

Die besten Voraussetzungen also, um Begehrlichkeiten auszulösen. Kaum wittern Luxuslabels wie Dior, Comme des Garçons, Creed oder Byredo den seltenen Stoff und verkorken die Kostbarkeit in einen Flakon, avanciert Oud rasant zum Trend. Kreationen wie Oud Cashmere Mood (Maison Francis Kurkdijan), Oud for Love (The Different Company) oder Privé Oud Royale (Armani) vermitteln schon im Namen, worum es geht: Exklusivität, Sinnlichkeit, Luxus, Hingabe. Etwa 20 Prozent des ätherischen Öls kommen in den erlesenen Parfums zum Einsatz. Mit 30 Prozent weist Bond No. 9 in ihrem Parfum New York Oud die höchste Konzentration des Duftöls auf. Exklusiv für Harrod’s komponiert, steigt das Parfum aus dem Jahr 2008 in Londons erster Shopping-Adresse zum bestverkauften Parfum auf. Oud allein ist dabei nicht das Geheimnis, sondern die Interaktion mit anderen Inhaltsstoffen. Erst die feine, ausgeklügelte Komposition mit anderen Duftpflanzen oder Gewürzen weckt dieses ultimative Haben-wollen-Gefühl. Und den Reiz, etwas so Kostbares auf der nackten Haut zu tragen.

 

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