Parfumflakon mit Pflanzen gefüllt
 

Kraut-Funding: Naturkosmetik holt auf

Naturkosmetik – der Schwiegersohn unter den Beauty-Produkten

Wenn man Naturkosmetik mit einer Person vergleichen müsste, käme man schnell zu dem Entschluss, dass es sich um keinen geringeren als den sympathischen Vorzeige-Schwiegersohn oder netten Nachbarn handeln muss: Er pflegt seinen Körper und achtet auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance, ehrt die Umwelt, ernährt sich gesund und liebt Tiere. Klingt gut, oder?

So oder so ähnlich funktioniert auch die Herstellung der Naturkosmetik. Bei den Verfahren wird darauf geachtet, dass natürliche Rohstoffe verwendet werden und die Produkte schonend für Mensch und Umwelt sind. Anstatt Polyethylenglycol, Silikon, Paraben, Paraffin oder synthetische Duftstoffe werden hautverträgliche pflanzliche und tierische Stoffe wie Öle, Fette oder Wachse sowie Kräuterextrakte und Blütenwässer, ätherische Öle und Aromen verwendet. Und wer in der Naturkosmetikbranche etwas auf sich hält, verzichtet auch auf Tierversuche. Die behutsam gewonnenen Inhaltsstoffe sorgen für eine sanfte, natürliche Pflege, die unsere Gesichts- und Körperhaut mit wichtigen Wirkstoffen versorgen und strahlen lässt.

Sind wir nicht alle ein bisschen Kleopatra?

Schön und jung aussehen – das wollen Frauen seit Menschengedenken. Mit Beginn der Hochkulturen in Griechenland, Italien und Ägypten beginnen die Beautyqueens ihrer Zeit sich Tinkturen, Wässerchen und Cremes aus natürlichen Rohstoffen wie zermahlenen Kräutern, Erde oder Holzkohle zur Schönheitspflege anzurühren. Allen voran Kleopatra – sie weiß schon damals um die heilende und pflegende Wirkung pflanzlicher und tierischer Produkte. Zu ihren Schönheitsgeheimnissen zählen Bäder in Eselsmilch oder Augen-Make-up mit Kajal aus Malachit oder schwarzem Eisenoxid und Schafsfett. Alles schön natürlich! Was Kleopatra kann, können wir schon lange? Nicht ganz, denn die Naturkosmetik findet nicht immer und bei jedem in der Geschichte Anklang.

Die Seifenoper beginnt

Im Mittelalter können Jung und Alt nicht genug bekommen von warmem Wasser und reinigender Pflanzenseife – es entsteht ein regelrechter Badehaus-Boom. Zumindest bis zum Ausbruch von Pest und Cholera. Aus Angst vor Ansteckungsgefahr reinigt man sich postwendend nur noch trocken – den beißenden Geruch, der dadurch in der Luft liegt, kann der einflussreiche Herrscher Ludwig XIV. wohl ab dem 17. Jahrhundert nicht mehr ertragen: Der Sonnenkönig lässt die besten Seifensieder des Landes in Versaille exklusive Hand- und Körperwaschmittel herstellen. Seife ist wieder im Trend! Diese und andere Pflegeprodukte werden damals selbstverständlich aus natürlichen Rohstoffen gewonnen – sogar noch weit bis ins 18. Jahrhundert hinein. Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts verändert Politik, Gesellschaft, Technik – und damit auch die Herstellungsverfahren der pflegenden und dekorativen Kosmetik. Produkte werden zunehmend maschinell hergestellt, die Eigenproduktion an Heim und Herd geht zurück. Viele von Generation zu Generation weitergegebene Rezepte geraten langsam in Vergessenheit.

Back to the roots

Heute ist die Nachfrage nach guter Naturkosmetik aktueller denn je – alte Rezepte werden aus verstaubten Kisten gekramt, Omas Tagebuch nach handschriftlichen Zeugnissen durchforstet und wilde Kräuter, Heilwässer oder Pflanzenöle zu Cremes, Lotionen oder Gesichtsmasken verarbeitet. In Zeiten von industriellem Overload und sich verbreitenden Hautallergien und -unverträglichkeiten wird die natürlich hergestellte Kosmetik als echte Alternative zu herkömmlichen Pflege- und Kosmetikprodukten gehandelt und immer mehr Hersteller von Bio- und Naturpflegeprodukten drängen auf den Markt.

Alles eins?

Doch Naturkosmetik ist nicht gleich Naturkosmetik – sie lässt sich kaum in eine eindeutige Beauty-Schublade stecken, da es noch keine einheitlichen Richtlinien oder Standards in Europa gibt, an die sich Hersteller halten müssen. Einige wenige Marken jedoch sind auf den Zug des guten Gewissens aufgesprungen und produzieren Kosmetika, die zu 100 Prozent biologisch sind und gänzlich aus natürlichen Rohstoffen bestehen – allerdings meist nur ein kurzes Haltbarkeitsdatum haben. Andere Firmen haben sich zusammengeschlossen und Richtlinien definiert, wonach sie Naturkosmetik-Zertifizierungen an Firmen vergeben, die sich an diese halten. So zum Beispiel der BDIH (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel e.V.) in Mannheim, der mit einem eigens entwickelten Prüfzeichen für kontrollierte Naturkosmetik seit 2001 eine Vereinheitlichung der Standards ermöglicht. Deutsche Hersteller wie Tautropfen oder Dr. Hauschka richten sich bereits danach.

Die Naturkosmetik-Branche befindet sich auf dem aufsteigenden Ast, auch weil das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Natur- und Tierschutz zunimmt. Zu Recht.

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