Füße mit Nagellack und Füße, die gerade lackiert werden.
 

Good Lack! Nagellack – flüssiges Glück

Ohne ihn fühlen wir Frauen uns nackt, denn er gehört heute genauso selbstverständlich zu unserer Beauty-Zeremonie wie Zähneputzen oder Wimpern tuschen – der Nagellack!

In allen Farben des Regenbogens fehlt er in fast keinem Schminktäschchen oder Badezimmer. In so vielen verschiedenen Farben und Formen es ihn auch gibt, so viele unterschiedliche Nagellack-Typen: die dezente Klarlack-Dame, die Knallfarben-Queen, die Klassisch-Rot-Fanatikerin oder die durchgeknallte Nail-Art-Lady.

Während sich bei der einen Beauty-Queen unzählige Fläschchen – nach Farbe oder Marke geordnet – in bunten Boxen stapeln, verteilen sich bei dem anderen Nagellack-Fan die Exemplare in allen Farben dieser Erde unkoordiniert in der ganzen Wohnung. Wenn man bei einer Dritten den Kühlschrank öffnet, findet man dort nichts als Licht und Lack.

Laut einer Studie von best for planning von 2014 lackieren sich knapp 79 % aller Frauen zwischen 20 und 59 Jahren die Nägel, 5 % davon sogar täglich. Kurzum – wir sind längst süchtig!

Früher verpönt, heute verehrt

Dieser Beliebtheit kann sich die bunte Flüssigkeit in der Geschichte nicht immer erfreuen. Nagellack hat – ähnlich wie Lippenstift – einen schwierigen Start in der Gesellschaft. Anfang des 20. Jahrhunderts sind Frauen mit gefärbten Nägeln als leichte Mädchen verpönt. Anständige Damen, heißt es, feilen und ölen sie nur und bringen diese zum Glänzen. Ganz dezente Farbakzente sind das höchste der Gefühle: Ausschließlich die Nagelmitte wird ab und an mit einem zartrosaroten oder roten Nagellack verziert. Der Nagelmond und die Spitzen bleiben farblos.

Anfang der 30er-Jahre beginnt man(n) allmählich umzudenken und den Frauen eine gewisse Farbvarianz zuzugestehen. Hollywood-Schauspielerinnen wie Jean Harlow, Gloria Swanson oder Rita Heyworth beginnen kräftigen Nagellack zu tragen – sogar über den gesamten Nagel verteilt – und ermutigen dadurch auch einfache Damen aus der Bevölkerung, ein wenig experimentierfreudiger zu werden.

Der Verkäufer, dem die Frauen vertrauen

Ausgerechnet ein Mann verhilft der Popularität des Nagellacks später auf die Sprünge – Charles Revson. 1932 gründet der russischstämmige US-Amerikaner in New York City die Kosmetikfirma Revlon, zusammen mit seinem Bruder Joseph und einem Chemiker namens Charles Lachmann. Revson hat sich schon vorher seine Brötchen als Nagellack-Vertreter für die Kosmetikfirma Elka verdient und Nagellacke in verschiedenen Farben an die Frau gebracht. Er versteht es, Frauen um den Finger zu wickeln und schreckt in einem Verkaufsgespräch nicht davor zurück, sich selbst die Nägel zu lackieren – natürlich stets aus Präsentationsgründen!

Kirschen im Schnee

Mit seinen beiden Kollegen verfolgt Charles Revson das Ziel, Nagellack herzustellen, der sich streifenfrei auftragen lässt, eine höhere Deckkraft besitzt und eine größere Auswahl an Farbnuancen zulässt. Das Geheimnis seines Erfolgs besteht auch darin, keine Kosmetikprodukte, sondern ein neues Lebensgefühl zu verkaufen. Bei Revlon heißen die Lackfarben nicht etwa Rot oder Rosa, sie tragen verträumte Namen wie „Cherries in the Snow“ oder „Stormy Pink“. Dieses Konzept geht auf – Frauen zahlen für seinen Lack weit mehr als für alle Produkte seiner Vorgänger. Spätestens als Revlon passende Lippenstifte zu den Lackfarben anbietet und mit „Matching Lips and Fingertips“ wirbt, sind auch die letzten Zweiflerinnen überzeugt.

Alles kann, nichts muss

Heute ist das Nagellack-Sortiment so groß, dass es seinen Anhängern fast unmöglich ist, alle Marken, Farben und Effekte zu kennen: Da wären die klassischen Rot- und Rosatöne, Lack im Metallic-Look oder mit Matt-Effekt, Crackle-Lack und Kaviar-Nagellack in Perlenoptik. Man kann seine Naturnägel mit herkömmlichem Nagellack aus Lösungsmittel, meist entweder Butyl-Ethanoat oder Ethyl-Ethanoat, färben oder sich künstliche Nägel aus Kunststoffgel anbringen lassen, um die Dauer des Nagel-Designs zu verlängern. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Längst werden Fingernägel nicht mehr primär als praktische Greifhilfe gehandelt, die wenigen Zentimeter auf unseren Fingerspitzen sind zur Kunstfläche avanciert, die Frauen auf der ganzen Welt glücklich macht.

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